Ayurveda
Āyurveda entstammt dem Sanskrit, Āyur bedeutet "Leben" eine möglichst lange Lebensspanne und ein erfülltes Leben auf allen Ebenen zu erfahren. Veda heißt "Wissen" im Sinne einer allumfassenden Weisheit.
Das Leben - āyuh- besteht aus der Verbindung von Körper, Sinnesorganen, Geist und dem Selbst.
Somit kann man "Ayurveda" als "Wissen vom Leben" übersetzt werden.
Āyurveda ist...
ein System, das das Wissen über Gesundheit und Krankheit anwendet. Āyurveda basiert auf ganzheitlichem Denken und berührt jeden Aspekt des Lebens von der Empfängnis bis zum Tod. Es befasst sich mit Ursache und Wirkung und ist eine intuitive Wissenschaft.
Āyurveda ist die älteste der "Lebenswissenschaften" mit ungebrochener Tratition, welche über jahrhunderte von einer Großzahl Denkern, Philosophen und Forschern geformt wurde.
Es wurden viele Versuche unternommen Āyurveda zu zerstören, zum Glück erfolglos.
Der Mensch wird als Einheit betrachtet und als untrennbar verbunden mit seiner Umwelt und Natur.
Der Mensch ist der Mikrokosmos, ein Abbild des Universums, welches den Makrokosmos darstellt.
Das Leben ist ein sensibles und komplexes Phänomen, welches kontinuierlich von äußeren und inneren Faktoren beeinflusst wird, Faktoren die stark oder schwach, wahrnehmbar oder oder nicht wahrnehmbar, förderlich oder störend für das Leben im allgemeinen oder für einzelne Lebewesen sein können. Diese vielfältigen Faktoren und ihre kaussale Verkettung werden im Āyurveda sehr detailliert beschrieben, um die Erhaltung und Förderung von Gesundheit sowie die Behandlung und Beseitigung von Krankheit zu ermöglichen.
Nicht nur der Zustand der Freiheit von Beschwerden oder Krankheiten, sondern auch das Genießen dieses Zustands ist Teil der āyurvedischen Philosophie.
Der Mensch muss sich nach den Naturgesetzen richten, somit wird ein angemessener Lebenstil empfohlen, der auf diesen Gesetzen fußt.
Āyurveda vertritt den Grundsatz der Individualität sowohl in Ernährungs- und Verhaltensfragen als auch in der Therapie.
Das ideale Medikament definiert Āyurveda als ein Mittel, das in der Lage ist Krankheit zu beseitigen, ohne neue hervorzurufen. Alles an Medizin findest du in deiner Küche!
Āyurveda ist nicht nur ein altes medizinisches System des alten Indien, es lehrt uns ganz allgemein die Kunst des Lebens, wie wir das Leben soweit wie möglich genießen und Leiden und Krankheiten vermeiden und heilen können.
Der Āyurveda lehrt uns außerdem noch, Gleichmut und Harmonie und verbietet uns grundsätzlich so gut wie gar nichts. Wir lernen außerdem, wie wir mit einer Situation umgehen können, die Harmonie und Ausgeglichenheit zerstört.
Ziel des Āyurveda
In dem Moment wo ein Mensch Schmerzen hatte und versucht wurde diese Schmerzen und das Leiden zu lindern, da ist Ayurveda entstanden. Somit ist es Ziel, die Gesundheit des Gesunden zu erhalten und die Krankheit des Kranken zu heilen und Leid aufzulösen.
hitāhitaṁ sukhaṁ duḥkhamāyustasya hitāhitam|
mānaṁ ca tacca yatrōktamāyurvēdaḥ sa ucyatē||
Ayurveda befasst sich mit gutem und schlechtem, glücklichem und unglücklichem Leben, mit dem was das Leben gesund und ungesund macht, mit Langlebigkeit und mit allen Aspekten des Lebens selbst.
Quelle: Charaka Samhita, Sutra Sthana 1.41
Der āyurvedische Ansatz ist sehr komplex, da er alle Wissenschaften, Philosophien und Religionen in sich vereinigt. Gemäß dem Āyurveda existiert nichts auf dieser Welt, was nicht in irgendeiner Form medizinisch nutzbar wäre. Einem Arzt steht demnach eine unbegrenzte Auswahl an Heilmittel zur Verfügung, solange er die Wirkung und Eigenschaften der entsprechenden Mittel weiß und ihren Einsatz entsprechend räumlicher und zeitlicher Faktoren gestalten kann.
Der Geist ist dabei wohl das mächtigste Werkzeug im Universum, richtig genutzt ist alles möglich!!!
Philosophiesystem Sāmkhya
Diese Theroie über die Entstehung und Zusammenhang des Lebens entnimmt der Āyurveda aus diesem Klassiker, der Sāmkhya.
Es heißt, das āyurvedische Wissen sei so alt wie die Menschen und von göttlichem Ursprung, diese Lehre ist über Jahrtausende mündlich und später schriftlich überliefert worden. Im Yoga wie auch im Āyurveda ist man der Auffassung das die Ursache für Leid in der Anhaftung und der Identifikation von Wünschen oder Materiellen Dingen liegt. Anhaftende Begierden und Taten führen jedoch zu einer sich im Kreislauf der Wiedergeburten nahezu unendlich wiederholenden Verbindung der Seele mit Geist und Körper.
Ein tiefergehendes Verständnis für das klassische Philosophiesystem ist wichtig um die Aspekte des Āyurveda verstehen zu können.
Gemäß dem Sāmkhya- System beginnt die Schöpfung, wenn zwei grundsätzliche Energiequellen miteinander in Verbindung kommen. Nennen wir diese Purusa (universelle Seele) und Prakriti (kosmische Substanz).
Purusa ist das Belebende Prinzip, der aktive Part. Prakriti ist der Sitz aller Manifestationen der Welt der Phänomene, es ist unbeweglich und nicht aktiv. Prakriti kann nicht ohne Purusa reagieren, die alles mit Leben erfüllt.
Prakriti hat drei Eigenschaften, den Gunas: Sattva, Rajas, Tamas
Sattva ist die Qualität der Wahrheit, Tugend, Schönheit und Ausgeglichenheit oder im Yoga sagen wir gern, wenn ein Raum auf geht, es weit hell und klar wird.
Rajas ist die Qualität von Stärke und Antrieb, die Bewegung verleiht. Alles Energetische und Kraftvolle fällt hier hinein.
Tamas ist die Qualität der Prakriti, die zurückhält, behindert und der Bewegung Widerstand leistet, yogisch gesehen ist es die Trägheit, unbeweglich, dunkel, starr und der Raum verschließt sich.
Im Gegensatz zu Prakriti hat Purusa keine Eigenschaften, ist Eigenshaftslos = nirguna. Es kann nicht selbstständig handeln, da er kein Mittel dafür besitzt. Prakriti kann für sich kein Drang zum handeln haben, da sie unbelebt ist. Nur durch die Vereinigung von beiden kann das dasein manifestiern. So ist Purusa die Seele des Universum und das belebende Prinzip der Prakriti. Er ist das was der Materie Leben einhaucht. Er ist die Ursache für Bewusstsein.
Stell dir vor Purusa (weibliche Energie) beginnt sich um Prakriti zu bewegen, zu tanzen, um auf sich aufmerksam zu machen. Bis dahin hat Prakriti (männliche Energie) keine Erkenntnis von ihr. Erst durch den Tanz bekommt er Erkenntnis von ihr, will sich mit ihr Verbinung und zu ihr gelangen. Genau da fängt das Verstricken und Anhanften an, der Zustand von Leid und Schmerz beginnt und ist nur auflösbar, wenn wir es schaffen durch Yoga und Āyurveda den Weg zurück zu gelangen.
Mit der Verbindung von Purusa und Prakriti kommt zunächst Mahat oder Buddhi zustande. Mahat, der kosmische Intellekt bedeutet sich auszudehnen, zu offenbaren und zu erkennen. Mahat erzeugt Ahańkâra oder das Prinzip der Individuation ist als feinstoffliches Sein "Ego" zu übersetzen und setzt sich aus den Attributen der "Gunas" zusammen, die da waren- Sattva-Rajas-Tamas. Wenn das Gleichgewicht hergestellt ist, ist dass Universum unmanifestiert. Verschiebt es sich, entsteht ein Ungleichgewicht und der Manifestierungsprozess setzt sich in Gang. Aus dem substilen Sein entwickeln sich 11 Prinzipien: Manas (das Geistige) und Indriyas (5 sensorische und 5 motorische Fähigkeiten). Zur Sensorik zählen die 5 Sinne (hören, fühlen, sehen, schmecken und riechen) mit ihren Sinnesorganen und zur Motorik finden wir die Aufnahme, Fortbewegung, Ausscheidung, Fortpflanzung und Kommunikation. Die letzten drei komponenten der kosmischen Evolotion folgen nicht zeitlich aufeinander, sondern geschehen zeitgleich. Alle zusammen erzeugen sie die 5 subtilen Elemente oder auch Tanmâtras:
Rūpa - Erscheinung
Gandhā - Geruch
Rasa - Geschmack
Sparśa - Berührung
Śabda - Klang
Aus diesen substilen Elementen entstehen die entsprechenden materiellen oder fundamentalen Elemente, die Mahâbhûtas:
Āakash - Raum/ Äther
Vāyu - Luft
Āgni - Feuer
Jala - Wasser
Prthivi - Erde
Zusammengefasst:
Die materielle Welt bestehend aus den fünf grundlegenden Elementen wird aufgrund des Intellekts, der Identität des Selbst und der Macht des Denkens zu einer Realität. Das Medium dasfür sind die fünf substilen Elemente. In Beziehung zu diesen fünf substilen und fundamentalen Elementen stehen die fünf Sinnesorgane und die fünf Handlungsorgane.
Die Sinnesorgane sind die Fähigkeit zu hören, zu fühlen, zu sehen, zu schmecken und zu riechen.
Die Handlungsorgane sind die Fähigkeit, sich auszudrücken, zu greifen, zu bewegen, auszuscheiden und sich fortzupflanzen.
Diese zehn Sinneskräfte könnten ohne die entsprechenden substilen Elemente nicht existieren. Beispiel: Die Fähigkeit zu hören, hätte ohne den Klang keinen Sinn. Somit bedienen sich die Elemente auch gegenseitig: Der Klang breitet sich im Raum aus und die Pflanze wächst nur mit Wasser in der Erde. Ohne Licht können wir nicht sehen und das Wasser kann sich ohne Raum nicht fortbewegen und fließen.
Die Basis des Lebens
Stell dir den Ayurveda als Hocker mit drei Beinen vor. Er kann nur stabil stehen, wenn alle drei Standfüße gleich lang und gleich dick sind. Genau so verhält es sich im Leben, das Leben kann nur entstehen wenn alle drei Standbeine vorhanden und gleich lang sind. Es ist unmöglich Leben entstehen zulassen, wenn ein Standbein fehlt, ist eines der Beine von dem Hocker zu kurz, entsteht ein Ungleichgewicht.
Caraka Samhitā Sū 1.46